modern times

„wenn frank glanz seine poetischen bilder spricht, versteht man ihn kaum; betrachtet man sie jedoch, schätzt man sie umso mehr. der salzburger autodidakt malt abbildhafte, sinntragende bilder und schafft damit etwas wie die quadratur des kreises in der malerei.“von florian falk

im mythischen geht es um das erwachen der seele im menschen — jean gebser

der mensch schwebt in anderen dimensionen. wie viel kostet dieses bild, will der unerfahrene besucher wissen.
„nun, ich habe drei monate daran gemalt, fast jeden tag, bin durch edinburgh spaziert, und irgendwann sah ich dieses haus, und ich …“
nein, er wolle nur den preis wissen, unterbricht ihn der besucher, nicht die geschichte davon, wie es entstanden ist und warum und wer was darin zu sehen glaubte. es gefällt ihm, sagt er, und noch bevor er sich dem bild geistig nähert, will er einfach wissen, ob er es sich leisten kann. nichts weiter.
„ich glaube, wichtiger als der preis ist die beziehung zu einem bild. ich habe schon bilder verkauft, die der käufer in raten bezahlt hat. in erster linie geht es darum, dass …“
der preis, unterbricht der besucher, der preis, ich will nur den preis wissen.
„darüber müssen wir reden.“
frank glanz ist ein außergewöhnlich guter maler. ja, sehr gut. einer, der sich die notwendigen werkzeuge seines handwerks selbst geschaffen hat und sie dennoch perfekt beherrscht. so gut sogar, dass ihm – gerade wegen seiner feinen maltechnik – einige zeitgenössische kollegen, dem autodidakten, einen zu akademischen ansatz vorwarfen. ein künstler, der gegenständliche symbole malt und dem es scheinbar mühelos gelingt, die quadratur des kreises in der bildenden kunst zu verwirklichen.
eines ist frank glanz jedoch ganz sicher nicht: ein verkäufer von seelen oder von sich selbst. die bilder müssen gemalt werden, sie müssen gezeigt werden, sie müssen verstanden werden. dass sie nach ihrer entstehung aber früher oder später auch den besitzer wechseln müssen, das atelier verlassen, damit andere sie sehen und verstehen können, diese ungeschriebene gesetzmäßigkeit des kunstmarktes scheint er nicht wirklich verinnerlicht zu haben. aber das spielt keine rolle. so sind künstler, die ehrlich und konsequent auf der seite ihrer kunst stehen. oder zumindest so sollten sie sein. sie trennen sich nur schwer von ihren werken, weil sie mit ihnen eine tiefe bindung aufgebaut haben, weil sie mehr sind als nur ein stück leinwand mit ein paar farbflecken.
und wenn maler dieses typs es dennoch schaffen, über ihren schatten zu springen und ein bild gegen ein paar geldscheine einzutauschen, dann vermutlich auch deshalb, weil sie letztlich von etwas leben müssen. dass diese an sich durchaus sympathische eigenschaft, dieser hartnäckige widerstand gegen die gesetze des marktes, bei frank glanz stärker ausgeprägt ist als bei anderen, liegt vermutlich – neben seiner beinahe obsessiven beziehung zu bildern – an einem sehr einfachen grund: frank glanz ist maler aus leidenschaft. seinen lebensunterhalt kann er ebenso gut auf andere weise bestreiten, denn er ist gelernter messerschmied und diplomierter innenarchitekt.

„es gibt bilder, die uns sofort treffen, zu denen wir unmittelbar zugang finden. aber wollen wir auch mit ihnen leben? nicht unbedingt. nach einem ersten moment ist die ausdruckskraft vieler bilder bereits erschöpft. sie wirken plötzlich leer und kraftlos. bei wiederholter betrachtung der bilder von frank glanz jedoch kann ich mit ruhigem gewissen sagen, dass ich mit ihnen leben könnte.“
giancarlo testa, anthroposoph

„poetische bilder, die uns in die tiefen des lebens führen.“

das urteil von astrid forbes spricht für sich. was die anerkannte amerikanische kunstexpertin kürzlich über die illustrationen von frank glanz für ein buch der autorin johns schrieb, ist nicht nur als verbale oder emotionale anerkennung zu verstehen. es trifft auch inhaltlich genau ins zentrum.
die farbintensiven bilder von glanz sind hochpoetisch, weil sie in die tiefe gehen und weil sie tatsächlich viel mit dem leben zu tun haben. fotografisch präzise und natürliche darstellungen der wirklichkeit, verfremdet, ergänzt und ersetzt durch surreal-fantastische elemente einer mythisch-traumhaften welt des nicht-greifbaren: die bilder des sensiblen salzburger künstlers sind fenster in andere dimensionen des individuellen bewusstseins.
einerseits spontan und erfrischend: sie erklären sich selbst, sind kommunikativ, ohne jemals in peinliche oberflächlichkeit oder künstliche intellektualität und metaphorik abzugleiten. wer diese bilder betrachtet, empfindet zugleich sehnsucht und erkenntnis. mit einem gewissen augenzwinkern und, vor allem in den neueren werken, mit einer gewissen respektlosigkeit.
andererseits jedoch auch auf einer vielschichtigen und verdichteten symbolischen ebene, die in vielen fällen weit über das unmittelbare sehen und verstehen des betrachters hinausgeht. man findet darin motive der ägyptologie ebenso wie des christentums oder asiatischer geistiger lehren.
„es gibt viele dinge, die über unser verständnis hinausgehen und dennoch für den menschen von größter bedeutung sind. die liebe zum beispiel: man kann sie nicht messen, nicht wiegen und nicht sehen, aber dass es liebe gibt, steht außer zweifel“, sagt glanz. „ich nähere mich diesen scheinbar ‚unbegreiflichen‘ dingen bewusst und unbewusst – im doppelten sinn des wortes. wer meine bilder wirklich betrachtet, wird vielleicht sehen, dass sie da sind, aber er wird sie ganz sicher fühlen.“
greifbares und ungreifbares, sorgfältig gemalt, den gesetzen einer inneren logik folgend, angeordnet und doch scheinbar zufällig. gerade der zufall – und hier schließt sich der kreis erneut – scheint eines der deutlichsten und bestimmendsten elemente im werk von glanz zu sein. nicht der zufall als ungeordnete masse von dingen oder ereignissen, sondern als das, was dem künstler „widerfährt“, was ihn inspiriert.
magritte, bosch, dalí: einflüsse großer meister sind erkennbar, aber nicht dominierend. gleiches gilt für die wiener schule des „phantastischen realismus“ oder den amerikanischen fotorealismus. alles ist vorhanden, weckt erinnerungen, lädt jedoch nicht zum vergleich ein. glanz wirft die ismen über bord. wenn überhaupt, „ist er höchstens dem magischen symbolismus zuzuordnen“ (chris von lengerke, kunsthistorikerin an der universität münchen).
und das ist gut so. bei glanz bleibt glanz im zentrum, und niemand sonst. seine bilder, getragen von einem tiefen ursprünglichen wissen, verzaubern ohne zu verwirren. sie berühren auf angenehme weise. freiheit im geist statt seelenmüll von außen. verarbeitung und ausdruck statt problem und leere.
sie scheinen in inhalt und form den zeitgeist vorwegzunehmen – neben dem zufall die zweite tragende säule im denken von frank glanz – als würden sie eine epochale wende ankündigen. sie sind daher nicht als nachzügler eines überholten kunstgenres zu betrachten, sondern als boten von etwas, das noch kommen wird.
transzendenz auf leinwand gebannt, new age in farben gehüllt: glanz scheint in seiner kunst den richtungswechsel zu erahnen, der heute bei vielen menschen in der art, die welt zu betrachten, spürbar wird.
„glanz ist ein typisch österreichischer maler, und dazu noch ein wirklich bedeutender“, sagt chris von lengerke. „die wunderbare farbigkeit seiner werke, seine neigung zum mythischen – all das drückt seine geistige verwandtschaft mit anderen großen österreichischen künstlern aus.“

„die grundlage der einsamkeit, die das wiederkehrende thema der malerischen darstellungen von frank glanz bildet, ist nicht etwa verzweiflung oder erniedrigung, sondern entspringt einem unbewussten widerstand des menschen, seine isolation zu verlassen und die wirklichkeit zu suchen, sich einer realeren und spontaneren welt zu stellen als jener, die uns die natur gegeben hat.“
eléne tomassini, psychologin

biografie

frank glanz wurde am 20. oktober 1949 in salzburg geboren. nach der schule ging er nach deutschland, nach solingen, wo er eine lehre als messerschmied begann. mit 17 Jahren fand er sich in new york wieder und später in einem ashram nahe san francisco. glanz war fasziniert von der hippie-bewegung und tauchte vollständig in das leben des flower power ein. sechs monate später kehrte er nach europa zurück, nach basel. dort blieb er ein halbes jahr und kam erstmals intensiv mit der anthroposophie in kontakt. das weltzentrum dieser bewegung in dornach war nicht weit entfernt.
zurück in salzburg setzte er seine ausbildung als messerschmied fort und bildete sich parallel über einen fernkurs in deutschland zum innenarchitekten weiter. 1975 erlangte er den meistertitel und das diplom als innenarchitekt. 1975 ist auch das jahr, in dem glanz, seit frühester kindheit begeisterter zeichner, begann, sich intensiv und professionell der malerei zu widmen. die kreative auseinandersetzung mit form und farbe in seiner arbeit als designer mag ein grund gewesen sein, die ständige suche nach selbstausdruck ein weiterer.
glanz malt, setzt sich als stiller beobachter und schüler in die klassen der universität für angewandte kunst wien und schaut etablierten akademikern bei der arbeit zu. er stellt sich an die staffelei, weil er malen muss und weil er malen will, unter einer art freiwilligem zwang. aus therapeutischen und existenziellen gründen ebenso wie aus reiner freude an der arbeit.
1977 kam es zu etwas wie einer ersten großen wende. allerdings nicht in österreich: mit seinem ersten für die öffentlichkeit bestimmten ölbild, ausgeführt in jenem stil, der ihn heute unverwechselbar macht, erregte der autodidakt die wohlwollende aufmerksamkeit eines wirklich großen künstlers. giorgio de chirico, der berühmte italienische meister der „metaphysischen malerei“, wollte den autor des gemäldes „pair and un-pair“ persönlich kennenlernen, das von einer jury der römischen akademie mit dem „premio nazionale per l’arte ed il lavoro“ ausgezeichnet worden war.
das treffen fand statt: bei einem gespräch im caffè greco sprach der italienische meister, damals bereits fast neunzigjährig, dem jungen österreicher große anerkennung aus und wollte sogar eine ausstellung in einer renommierten galerie vermitteln. dass es dazu letztlich nicht kam, ist eine andere geschichte und betrifft die dunklen seiten der kunstwelt. wenige tage nach diesem treffen war der ehrwürdige mentor nämlich in wesentlich heiklere angelegenheiten verwickelt: ein kunstskandal brach aus, und de chirico stand im zentrum. der berühmte maler wurde als auftraggeber von fälschungen seiner eigenen werke entlarvt. gegen bezahlung hatte er andere künstler bilder anfertigen lassen und sie als seine eigenen verkauft.

„die lyrische offenbarung einer vision, die die natur durch eine mit besonderer intensität gelebte innerlichkeit erneuert, und ihre synthese in bilder, die von der wahren wiedergeburt des menschlichen traums inspiriert sind: das ist frank glanz.“
mario rivosecchi, schriftsteller

preise und künstlerische arbeit

1991 wurde frank glanz mit dem senegalesischen förderpreis „fondation pour la paix“ ausgezeichnet. erneut eine bestätigung dafür, dass der weltbürger mit ausgeprägter vorliebe für den asiatischen kulturraum im ausland weit mehr aufmerksamkeit und anerkennung erhielt als in österreich. auch in seiner heimat stellte glanz dennoch vielfach aus, in wien, innsbruck, klagenfurt und in seiner geburtsstadt salzburg. die liste seiner internationalen ausstellungen – darunter rom, münchen, reims, hongkong – ist jedoch deutlich länger und wird vermutlich weiter wachsen. doch das braucht zeit.
glanz ist ein ölmaler. „ich denke langsam und gründlich, und ich male langsam und gründlich“, sagt er. er arbeitet monate lang an einem einzigen bild, bevor er den letzten pinselstrich setzt, und die geistige vorbereitung dauert oft noch länger. sein werk umfasst heute rund 150 arbeiten. die formate, früher überwiegend klein, sind mit ihm gewachsen: heute malt er auch auf leinwänden von 140 × 160 cm.
den preis eines jeden bildes trägt er einfach in sich. wer seine mit äußerster präzision gemalten arbeiten aufmerksam betrachtet und rechnen kann, wird kaum übersehen, dass bei preisen zwischen 25.000 und 200.000 schilling das ergebnis keineswegs einer lukrativen stundenentlohnung entspricht. aber darum geht es nicht. wer den begeisterten salzburger künstler kennt, weiß, dass es für ihn dinge gibt, die weit wichtiger sind als der preis. der wert zum beispiel. jener seiner werke, zu denen er – und das ist als kompliment zu verstehen – offenbar ein geradezu verrücktes näheverhältnis pflegt.
dass sich der wert seiner schaffungen letztlich dennoch auch in einer bestimmten geldsumme messen lässt, beruhigt den interessierten kunstliebhaber vermutlich ebenso wie die werke selbst.

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artikel erschienen in: times magazine – das magazine zur eurocard, ausgabe 1 – 1993, s. 51–53

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Frank Glanz – 5020 Salzburg – C.F. (Steuer NR) 93/191/1077 – info@frankglanz.com